Im keltischen Jahreskreis ist Lammas das Fest zum Augustvollmond. Es ist ein mehrtätiges Feuerfest in der Erntezeit, wenn die Natur in ihrem Zyklus auf dem Höhepunkt angekommen ist. Über die Christianisierung hinaus hat es sich in vielfältiger Form bis heute bewahrt, wie der Ethnobotaniker Wolf-Dieter Storl feststellt und in seiner bildreichen Sprache zu erzählen vermag.
Das Feuerfest zum Augustvollmond ist das Ende der Herrschaft des milden Bel und seiner Braut. Das mächtige Notfeuer, das nun überall auf den Höhen lodert, ist Bels Scheiterhaufen. Die Lohe signalisiert die Metamorphose des Gottes. Er ist nun zum feurigen, leuchtenden Lugus (Lug)1 geworden, der sich mit der Matrone mit dem Füllhorn, der Kornmutter, der Ernährerin der Welt, Annona2, vermählt und seine Herrschaft antritt. Sie werden nun über die Herbsttag-
nachtgleiche hinweg bis zum Totenfest Samain herrschen. Ihre Zeit ist die Erntezeit. Der August, wenn die Sonne sich durch das Tierkreisbild des heiĂźen Löwen bewegt, ist „Schnittmonat“. Lug ist der „Meister aller KĂĽnste“ (Samildanach), der „Löwe mit sicherer Hand“, der die Vergeistigung und Vervollkommnung der Natur vorantreibt. Er fĂĽhrt das Gewordene zum VerblĂĽhen, Versamen und zur Auflösung in eine geistige Dimension hin. Er stellt das Prinzip der Vollendung, der Vervollkommnung, des erfĂĽllten Schicksals dar. Er ist das Feuer, das den Stahl härtet, die Hitze, die dem Obst, den Beeren und FrĂĽchten Reife und SĂĽĂźe schenkt. Dem Getreide nimmt er die Milchreife und verwandelt die Körner in feste, goldene Nuggets. Das mondhafte, fleischige GrĂĽn der Kräuter macht er mit seinem Feuerhauch zu fein gefiederten, duftenden Gebilden; er reichert sie mit heilkräftigen ätherischen und fettigen Ă–len, Balsamen und Harzen an. Er ist der Terminator, der korrupten Herrschern ihren verdienten Tod gibt. Als Loki tritt er in der isländischen Edda als treibende Kraft der Zerstörung und Auflösung des jeweiligen Schöpfungszyklus auf.






